Ich baue henny.info, den Shop, die Apps — und diesen Newsletter — mit einem Werkzeug namens Claude Code. Es ist ein KI-Assistent, der im Terminal lebt: Er liest deinen Code, ändert Dateien, führt Befehle aus. Das Spannende daran ist nicht, dass er Code schreibt. Das Spannende ist, was man damit nicht mehr selbst machen muss.

Hier sind zehn Aufgaben, die ich abgegeben habe. Von „hilft im Alltag” bis „läuft, während ich schlafe”. Nichts davon ist Magie — und keins nimmt dir die Entscheidung ab. Sie nehmen dir die Wiederholung ab.

1. Sich in ein fremdes Projekt einarbeiten

Das Erste, wofür ich ihn nehme, ist gar kein Schreiben, sondern Lesen: „Erklär mir dieses Projekt.” Er liest sich durch den Code, findet die wichtigen Stellen und beantwortet Fragen — statt dass ich mich stundenlang durch fremde Ordner klicke. Für alten eigenen Code, den man selbst nicht mehr versteht, funktioniert es genauso gut.

2. Wiederkehrende Abläufe als „Skill” speichern

Was ich immer wieder gleich mache — deployen, einen Blog-Beitrag anlegen, den Code prüfen — schreibe ich einmal als Skill auf und rufe es danach mit /deploy auf. Ein Skill ist kein Programm, sondern eine gespeicherte Anleitung, die er liest und befolgt. (Kleine Klarstellung, weil es oft falsch erzählt wird: eigene Slash-Befehle gibt es nicht als Funktion — was mit / beginnt, ist ein Skill.)

3. Bei jeder Änderung automatisch prüfen (Hooks)

Ein Hook ist ein eigener Befehl, der bei einem bestimmten Ereignis immer läuft — zum Beispiel der Code-Formatierer nach jeder Datei-Änderung. Der Unterschied zum Skill ist wichtig: Ein Hook feuert zwangsläufig, nicht „wenn die KI dran denkt”. So kann man das Formatieren oder den Test nicht mehr vergessen — es passiert von selbst, jedes Mal.

4. Deine Werkzeuge anschließen (MCP)

Über MCP-Server bekommt er Zugriff auf Dienste außerhalb deines Rechners: GitHub, Slack, eine Datenbank, den Browser. Für die meisten gängigen Dienste gibt es fertige Anschlüsse — man baut nichts, man verbindet. Danach kann er ein GitHub-Issue lesen, einen Pull Request öffnen oder eine Nachricht in einen Slack-Kanal schreiben, direkt aus dem Terminal.

5. Mehrere Helfer parallel arbeiten lassen (Subagenten)

Für Recherche oder große Durchsuchungen schickt er Subagenten los — jeder mit eigenem Kopf, jeder bringt nur die Zusammenfassung zurück. So bleibt das Hauptgespräch sauber, statt sich mit hundert gelesenen Dateien vollzustopfen. Kein Hintergrund-Zauber: Sie laufen los und melden sich fertig zurück.

6. Claude in Skripte einbauen (Headless)

Mit claude -p "..." wird er zu einem Baustein in der Kommandozeile — man kann Daten durchreichen wie bei jedem Terminal-Werkzeug:

git diff | claude -p "finde Tippfehler in diesem Diff"

Das ist der Übergang von „ich chatte mit einer KI” zu „die KI ist ein Schritt in meinem Ablauf”. Er läuft die Aufgabe durch, gibt das Ergebnis aus und beendet sich.

7. Pull Requests automatisch prüfen lassen (GitHub Actions)

In der CI — bei mir GitHub Actions — schaut er bei jedem Pull Request drüber: auf Bugs, auf Sicherheitslücken, auf Flüchtigkeitsfehler. Seinen Kommentar schreibt er direkt an den PR. Man kann ihn dort auch per @claude ansprechen und um etwas bitten. So bekommt jede Änderung ein zweites Augenpaar, bevor sie zusammengeführt wird.

8. Regelmäßig oder nachts laufen lassen (Routines)

Routines laufen zeitgesteuert in der Cloud — auch wenn der eigene Rechner aus ist. Täglich die offenen Pull Requests zusammenfassen, einen kurzen Bericht schicken, etwas beobachten und Bescheid geben. (Fürs schnelle Wiederholen innerhalb einer offenen Sitzung gibt es /loop — das ist aber nur für den Moment, nicht für den Dauerbetrieb.)

9. Projekt-Wissen festhalten (CLAUDE.md + Gedächtnis)

In einer Datei namens CLAUDE.md stehen die Regeln des Projekts — „nimm pnpm, nicht npm”, „Tests vor jedem Commit”, „die API-Endpunkte liegen hier” — und die gelten bei jeder Sitzung automatisch. Dazu ein Gedächtnis, in das er sich Gelerntes selbst notiert. Man erklärt Dinge einmal, nicht jedes Mal neu.

10. Vertrauenswürdige Befehle freigeben (Berechtigungen)

In einer settings.json legt man fest, was er ohne Nachfrage darf — git status, die Tests laufen lassen, den Stand ansehen. Alles andere fragt er weiter. So arbeitet er flüssig bei den harmlosen Dingen, ohne dass man bei den heiklen die Kontrolle abgibt. (Wer etwas hart verbieten will, nimmt dafür wieder einen Hook — der kann eine Aktion blockieren, eine Berechtigung erlaubt sie nur.)


Der rote Faden durch alle zehn: Man sagt eine Sache einmal richtig — als Skill, als Hook, als Regel — und danach passiert sie von selbst. Genau deshalb kann heute eine einzelne Person einen ganzen Laden bauen und betreiben, für den es früher ein Team gebraucht hätte. Diese Seite, der Shop und der Newsletter sind der laufende Beweis.

Ich lerne das selbst noch jeden Tag dazu, und die Werkzeuge ändern sich schnell — der Feature-Stand hier ist Juli 2026, morgen heißt vielleicht etwas anders. Wenn dich ein Punkt genauer interessiert, schreib mir; dann baue ich einen eigenen Beitrag draus.

Quellen

Die Feature-Namen und Beispiele sind gegen die offizielle Claude-Code-Dokumentation geprüft (Stand Juli 2026): Skills, Hooks, MCP, Subagenten, Headless-Modus, GitHub Actions, Routines, Memory, Berechtigungen.

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