Die Krypto-Landkarte — welche Bereiche es gibt und was sie wirklich tun
Es gibt eine Frage, die in jedem Krypto-Gespräch früher oder später kommt, und auf die selten jemand ordentlich antwortet: Was gibt es da eigentlich alles? Nicht „welche Coin”, sondern: Welche Bereiche existieren, was tun sie, und wie hängen sie zusammen?
Dieser Beitrag ist die Karte. Er ist der Anker einer Reihe — zu den meisten Bereichen hier folgt ein eigener, tiefer Beitrag, und jeder wird zurück auf diese Seite zeigen. Deshalb bleiben die Zwischenüberschriften unverändert, egal wie oft ich den Text darunter aktualisiere.
Drei Regeln, damit die Karte hält:
Ein Stichtag. Alle Zahlen sind vom 23. Juli 2026, gerundet, mit Quelle. Bitcoin stand an diesem Tag bei rund 64.800 US-Dollar, Ether bei rund 1.890 — deutlich unter den Vorjahresständen. Wer eine Karte auf zwei Nachkommastellen zeichnet, ohne den Stichtag zu nennen, zeichnet Fiktion.
Eine Leitfrage je Bereich: Wer zahlt hier wem wofür? Nicht: Was verspricht das Projekt. Nicht: Wie hoch ist der Kurs. Sondern: Fließt Geld von jemandem, der einen Nutzen hat, zu jemandem, der eine Leistung erbringt — oder kommt das Geld aus der Ausgabe neuer Token?
Keine Rangliste. Die Reihenfolge hier ist eine Ordnung, kein Urteil. Ich empfehle nichts, ich sage nicht, was steigt, und die Größe eines Bereichs sagt nichts über seine Qualität.
Symbolbild, KI-generiert.
Warum „Sektor” keine harte Größe ist
Bevor die Karte kommt, muss eine Sache auf den Tisch, sonst missversteht man jede Zahl darauf. Die üblichen Kategorien sind keine Messwerte, sie sind Etiketten — und sie überlappen sich massiv.
Die 25 größten Kategorien bei CoinGecko summieren sich am Stichtag auf 8,42 Billionen US-Dollar — bei einer Gesamtmarktkapitalisierung von 2,30 Billionen, die derselbe Anbieter ausweist. Das 3,66-Fache des ganzen Marktes, weil jeder Coin in beliebig vielen Kategorien steht. Die zwei größten sind fast deckungsgleich: „Smart Contract Platform” 1,858 Billionen, „Layer 1 (L1)” 1,839 Billionen. Auf Platz vier steht eine Kategorie namens „World Liberty Financial Portfolio” mit 543,6 Milliarden; es gibt auch „Made in USA” (278,6 Milliarden) und „Made in China”.
Das ist kein Fehler des Anbieters — Kategorien sind bei ihm ein Suchhilfsmittel, kein Bilanzposten. Es ist ein Fehler in der Art, wie diese Zahlen zitiert werden. Zwei Beispiele, die dir gleich wiederbegegnen: In der Kategorie „Artificial Intelligence” (21,97 Milliarden) sind die größten Positionen Chainlink und NEAR — zwei Projekte ohne nennenswertes KI-Geschäft. In der DePIN-Kategorie (7,56 Milliarden) ist die größte Position Bittensor, ein Anreiznetz für Modelle, das mit physischer Infrastruktur wenig zu tun hat.
Selbst die Gesamtgröße ist keine feste Zahl: CoinGecko wies am selben Tag 2,30 Billionen aus und 56,6 Prozent Bitcoin-Dominanz, CoinMarketCap 2,21 Billionen und 58,8 Prozent. 88 Milliarden Unterschied, weil beide unterschiedlich zählen, welche Token sie überhaupt mitrechnen.
Deshalb ordne ich hier nicht nach Etikett, sondern nach vier Ebenen, und jede hat eine eigene Leitfrage und eine eigene sinnvolle Kennzahl.
Ebene 1
Geld und Ansprüche
Wogegen habe ich einen Anspruch — und gegen wen?
Leitkennzahl: ausstehender Nennwert
- Stablecoins Token mit festem Wert, meist Dollar; Ertrag der Emittenten sind Zinsen auf die Reserve ~307 Mrd. $ im Umlauf · zwei Emittenten stellen 82,9 %
- Tokenisierte Wertpapiere (RWA) Staatsanleihen, Fondsanteile, Kredite, Gold, Aktien als übertragbarer Anspruch 34,9 Mrd. $ frei übertragbar · Staatsanleihen 15,9 Mrd. auf 62.902 Adressen
- Bitcoin als Reserve + ETFs Halten als Hauptnutzung, zunehmend über Fonds und Unternehmensbilanzen größter ETF 48,0 Mrd. $ · 6,1 % aller Bitcoin bei börsennotierten Firmen
Ebene 2
Rechenraum und Sicherheit
Wer produziert Blockraum, und wer bezahlt ihn?
Leitkennzahl: Nutzergebühren gegen Emission
- Mining und Konsens Rechenleistung sichert Bitcoin; bezahlt wird sie fast vollständig mit neuen Coins 919 Mio. $ in 30 Tagen — davon 0,66 % von Nutzern
- Layer-1-Plattformen Die Basisketten, auf denen Programme laufen Gebühren 30 Tage: Tron 26,2 · Solana 14,8 · Ethereum 7,7 Mio. $
- Layer 2 / Rollups Bündeln Transaktionen und schreiben nur das Ergebnis auf die Basiskette 34,3 Mrd. $ gesichert · 79 von 109 auf Vertrauensstufe 0
- DePIN Funk, Karten, Wetter, Speicher aus privater Hardware, bezahlt in Token ~72 Mio. $ Umsatz im Jahr, der Rest ist Emission
- KI × Krypto Rechenleistung, Anreiznetze für Modelle, Zahlungen zwischen Maschinen Akash: 124 vermietete GPUs · x402: 24 Mio. $ in 30 Tagen
Ebene 3
Anwendungen
Was tut ein Nutzer damit, und was zahlt er dafür?
Leitkennzahl: von Nutzern gezahlte Gebühren
- DeFi Tauschen, verleihen, hinterlegen — besichert, ohne Institution 76,5 Mrd. $ gesperrt · 24,6 Mrd. $ Gebühren in 12 Monaten
- Prognosemärkte Kontrakte auf Ereignisse; der Preis liest sich als Wahrscheinlichkeit 12,3 Mrd. $ in 30 Tagen (größter Anbieter) · Rechtslage umkämpft
- Spiele, NFTs, Sammelgüter Vom Investment-Narrativ zur Sammel-Logistik geschrumpft über 90 % der Spieleprojekte eingestellt · NFT-Durchschnittspreis 54 $
- Meme und Social Kein Ertrag, nur Umverteilung — die Startrampen verdienen zuverlässig 25,6 Mrd. $ = 1,1 % des Marktes · pump.fun 1,15 Mrd. $ Gebühren
- Privatsphäre Verbergen, wer wem wie viel zahlt Monero 6,6 · Zcash 8,6 Mrd. $ · EU-Verbot für Verpflichtete ab Juli 2027
Ebene 4
Zugang, Verwahrung, Klebstoff
Was verbindet die Teile — und wer hält den Schlüssel?
Leitkennzahl: verwahrtes oder abgesichertes Fremdvermögen
- Börsen und Verwahrer Der Ort, an dem der Markt tatsächlich stattfindet 245 Mrd. $ Reserven · eine Börse hält 56 % davon
- Orakel Bringen Preise und Ereignisse auf die Kette — und ziehen Angriffe an 40,0 Mrd. $ abhängig von einem Anbieter · 3,85 Mio. $ Gebühren im Jahr
- Brücken Übersetzen zwischen Ketten; die gefährlichste Einzelkomponente 3,29 Mrd. $ Schaden = 19,6 % aller Krypto-Diebstähle
- Identität und Namen Lesbare Namen, Nachweise ohne Ausweis — seit zehn Jahren „das nächste große Ding“ Namensdienst ENS: 214.788 $ Einnahmen in 30 Tagen
Ebene 1: Geld und Ansprüche
Leitfrage: Wogegen habe ich einen Anspruch — und gegen wen? Das ist die Ebene, auf der Krypto am meisten Geld bewegt und am wenigsten spektakulär aussieht.
Symbolbild, KI-generiert.
Stablecoins
Token, die einen festen Wert abbilden sollen, fast immer den US-Dollar. Sie sind die Verrechnungseinheit des gesamten Marktes: Wer auf einer Börse handelt, handelt meistens gegen einen Stablecoin, nicht gegen echte Dollar.
Am Stichtag waren rund 307 Milliarden US-Dollar im Umlauf (DefiLlama, Zeitreihe, Abruf 23.07.2026) — in zwölf Monaten ein Plus von rund 17,8 Prozent (von 261,0 Milliarden). Und schon hier lohnt der erste Blick auf die Messgrenze: Für denselben Tag nennt rwa.xyz 298,75 Milliarden und CoinGecko 304,11 Milliarden. Eine Spanne von zwölf Milliarden für eine Zahl, die es angeblich exakt gibt.
Zwei Emittenten stellen fast alles: USDT (Tether) 184,06 Milliarden (59,1 Prozent), USDC (Circle) 74,03 Milliarden (23,8 Prozent) — zusammen 82,9 Prozent. Der drittgrößte, Sky Dollar, kommt auf 6,64 Milliarden; jeder andere liegt unter 2,2 Prozent Marktanteil.
Wer zahlt hier wem? Niemand zahlt für die Nutzung — Stablecoins sind für Halter gratis. Das Geschäftsmodell sind Zinsen auf die Reserven: Der Emittent bekommt Dollar, kauft davon US-Staatsanleihen und behält die Erträge. Circle wies für das erste Quartal 2026 694 Millionen Dollar Gesamterlös aus, davon 653 Millionen (94 Prozent) aus Reserveerträgen; nach 407 Millionen Distributionskosten blieben 55 Millionen Nettoergebnis. Tether meldete für 2025 über 10 Milliarden Dollar Gewinn und rund 193 Milliarden Reserven (Eigenangabe; Tether veröffentlicht Attestierungen durch BDO, keinen testierten Jahresabschluss — ein Prüfungsprozess hat nach eigenen Angaben Anfang 2026 begonnen).
Daraus folgt die wichtigste Eigenschaft des Bereichs: Der Ertrag hängt am Leitzins, nicht am Krypto-Markt. Das Zielband der US-Notenbank lag Mitte 2026 bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Fällt es, fällt der Gewinn fast eins zu eins mit.
Der Sektor ist inzwischen groß genug, um zurückzuwirken: Eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich findet, dass ein Zufluss von 3,5 Milliarden Dollar in Stablecoins die Rendite dreimonatiger US-Staatsanleihen um rund vier Basispunkte über zehn Tage drückt. Krypto und Staatsschulden sind an dieser Stelle keine getrennten Welten mehr.
Wie es scheitert: Ein Stablecoin ist ein Konstruktionsanspruch, kein Naturgesetz. Zwei Muster, beide dokumentiert. Die Reserve steckt fest: Im März 2023 lagen 3,3 Milliarden Dollar der USDC-Reserven (rund acht Prozent) bei der kollabierten Silicon Valley Bank; USDC fiel auf 0,95 Dollar und erholte sich erst, als Finanzministerium, Fed und Einlagensicherung am 12. März gemeinsam eine Ausnahme erklärten und alle Einlagen dieser Bank garantierten. Die Ausgabe ist schlecht abgesichert: Am 22. März 2026 prägte ein Angreifer rund 80 Millionen USR ohne Deckung und zog 11.409 ETH (rund 23,7 Millionen Dollar) ab; der Kurs fiel binnen 17 Minuten auf 0,025 Dollar. Ursache: Die Berechtigung zum Prägen lag bei einer einzelnen Adresse, ohne Mehrfachsignatur, ohne Mengenlimit.
Ein drittes Muster ist neu und leiser: Renditetragende Stablecoins schrumpfen. Im zweiten Quartal 2026 verloren sie rund 15 Prozent ihres Umlaufs, sUSDe allein 52 Prozent — während schlicht mit Staatsanleihen besicherte Token wuchsen. Im selben Quartal schrumpfte der Gesamtumlauf erstmals seit 2023 auf Quartalsbasis.
In der EU gilt MiCAR: Für Stablecoins braucht es eine Zulassung, und die Zahlen sind ernüchternd übersichtlich — 21 zugelassene E-Geld-Token-Emittenten, 41 White Paper, null zugelassene wertreferenzierte Token (ESMA-Register, Stand 21.07.2026). Tether hat für USDT nie eine Zulassung beantragt und ist von regulierten EU-Handelsplätzen verschwunden. Der größte Euro-Stablecoin, EURC, liegt bei rund 430 Millionen Dollar; alle acht MiCA-konformen Euro-Stablecoins zusammen kamen im Juni 2026 auf rund 674 Millionen — weniger als ein Viertelprozent des Sektors. Der digitale Euro ist etwas anderes: Zentralbankgeld, keine öffentliche Blockchain.
In den USA ist der GENIUS Act seit Juli 2025 unterschrieben, aber ein Jahr später noch nicht in Kraft: Die Behörden verfehlten die Umsetzungsfrist zum 18. Juli 2026; das Gesetz greift spätestens am 18. Januar 2027. Ein Verordnungsentwurf der Bankenaufsicht OCC vom Februar 2026 will das gesetzliche Zinsverbot für Emittenten per widerlegbarer Vermutung auf verbundene Unternehmen ausdehnen — eine Auslegung, die im Verfahren umstritten ist.
Wofür Stablecoins tatsächlich benutzt werden — Zahlungen, Überweisungen, Inflationsschutz —, steht ausführlich in „Krypto, angewandt”.
Prüffragen: Wer hält die Reserve, und gibt es dazu ein Testat oder nur eine Attestierung? Steht der Emittent in einem Register einer Aufsicht — und in welchem Land? Wer darf neue Token prägen, und wie viele Unterschriften braucht das? Und wenn ein Stablecoin Rendite verspricht: Woher kommt sie?
Tokenisierte Wertpapiere und Sachwerte (RWA)
Der Anspruch auf etwas Reales — Staatsanleihen, Fondsanteile, Kredite, Gold, Aktien — wird als Token abgebildet und ist dann rund um die Uhr übertragbar. Das ist der Bereich, in dem klassische Finanzhäuser tatsächlich gebaut haben.
Und es ist der Bereich mit der lehrreichsten Zahl der ganzen Karte. rwa.xyz weist zwei Werte aus: „Distributed” 34,94 Milliarden Dollar — Vermögen, das frei übertragbar auf öffentlichen Ketten liegt — und „Represented” 366,97 Milliarden, alles, was irgendwie tokenisiert abgebildet ist. Von diesen 367 Milliarden entfallen 327 Milliarden auf ein einziges Netzwerk (Canton), das dort null Dollar frei übertragbare Assets ausweist. Wer „Tokenisierung ist bei 367 Milliarden” liest, liest die zweite Zahl. Der Markt, den man anfassen kann, ist eine Größenordnung kleiner.
Die größte Kategorie sind tokenisierte US-Staatsanleihen und Geldmarktfonds: 15,92 Milliarden Dollar über 85 Produkte — Anfang 2024 war das noch rund eine Milliarde. Die Emittenten sind keine Startups: BlackRocks BUIDL (2,52 Milliarden), Circles USYC (2,96 Milliarden), Ondos USDY (2,16 Milliarden), Franklin Templeton.
Nur: 62.902 Halter-Adressen über die ganze Kategorie. BUIDL verteilt 2,52 Milliarden Dollar auf 113 Adressen, USYC 2,96 Milliarden auf 46. Das ist kein Privatanleger-Markt, das ist Großhandel mit Token-Oberfläche. Passend dazu fand Forbes Anfang Juli 2026, dass von rund 60 Milliarden Dollar tokenisierter Assets 32,9 Milliarden in 910 Assets lagen, die innerhalb einer ganzen Woche keine einzige Transferaktivität zeigten. Tokenisiert heißt nicht gehandelt.
Tokenisierte Aktien sind der Bereich mit den meisten Kleinhaltern (692.410 Adressen) und dem kleinsten Volumen: 1,92 Milliarden Dollar. Hier ist die juristische Feinheit der ganze Punkt. Ondos Token sind laut Emittent „selbst keine Aktien” und geben keinen Anspruch auf Herausgabe des Basiswerts; xStocks sind Tracker-Zertifikate einer Gesellschaft auf Jersey unter einem von der Liechtensteiner Aufsicht gebilligten Prospekt, ohne Stimm- und Aktionärsrechte. Die US-Börsenaufsicht SEC hat im Januar 2026 in einer gemeinsamen Stellungnahme dreier Abteilungen vier Tokenisierungsmodelle unterschieden und für die synthetischen festgehalten, dass sie „kein Eigentum und keine Rechte” übertragen. Du kaufst die Kursentwicklung, nicht das Papier.
Deutschland hat für so etwas seit 2021 ein eigenes Gesetz. In der BaFin-Liste der Kryptowertpapiere stehen 275 Eintragungen von rund 175 Emittenten (Stand 02.02.2026), eingetragen zwischen Dezember 2021 und Januar 2026. Zwei Registerführer decken drei Viertel davon ab. Es sind echte Emissionen dabei — die KfW mit einer 100-Millionen-Euro-Anleihe, DekaBank, Deutsche Bank — und die Liste ist auch ehrlich beim Scheitern: Bei zwei Papieren vermerkt sie die Löschung „aufgrund des Insolvenzverfahrens der Emittentin”. Das europäische DLT-Pilotregime gilt seit März 2023; zum ESMA-Stichtag Ende Mai 2025 waren drei Infrastrukturen zugelassen, eine davon mit einer Anleiheemission über — kein Tippfehler — 401 Euro. Die EU-Kommission schlug Ende 2025 vor, die Obergrenze von 6 auf 100 Milliarden Euro anzuheben.
Prüffragen: Was genau hältst du — Eigentum, einen Fondsanteil oder eine Forderung gegen eine Zweckgesellschaft? In welcher Rechtsordnung sitzt der Emittent? Wie viele Halter-Adressen hat das Produkt, und wann wurde es zuletzt überhaupt bewegt? Und wer verwahrt den Basiswert?
Bitcoin als Reserveaktivum und seine institutionellen Hüllen
Der eigentümlichste Bereich der Karte: ein Vermögenswert, dessen Hauptnutzung darin besteht, gehalten zu werden — zunehmend über Produkte, die es vor drei Jahren nicht gab.
Der größte Bitcoin-ETF, IBIT, hält 47,99 Milliarden Dollar bei 0,25 Prozent Verwaltungsgebühr; der alte GBTC liegt bei 8,77 Milliarden und verlangt 1,50 Prozent. Zum Vergleich, weil es die Größenverhältnisse der ganzen Karte sortiert: Ein einziger ETF hält mehr Wert, als in sämtlichen DeFi-Anwendungen auf Ethereum steckt (41,56 Milliarden).
Daneben stehen Unternehmen, die Krypto in die Bilanz nehmen: 1.285.045 Bitcoin liegen bei börsennotierten Firmen — 6,12 Prozent aller existierenden Bitcoin. Strategy allein hält 843.775 Stück, 4,018 Prozent aller Bitcoin, die es je geben wird, gekauft für 63,68 Milliarden Dollar, am Stichtag 54,70 Milliarden wert (minus 14,1 Prozent). Bei Ether ist die Konzentration noch schärfer: Ein einzelnes Unternehmen, BitMine Immersion, hält 4,787 Prozent des gesamten Ether-Angebots.
Das ist ein struktureller Punkt, kein Kursurteil: Ein erheblicher Teil des Angebots liegt inzwischen bei wenigen Bilanzen, die eigenen Zwängen folgen — Quartalsberichten, Kreditverträgen, Aktionären. Wem gehören die Coins wirklich, ist auf dieser Karte eine relevantere Frage als: Wie hoch steht der Kurs. Wie sich Bestände über alle Größenklassen verteilen, steht in „Garnele, Fisch, Wal”.
Ebene 2: Rechenraum und Sicherheit
Leitfrage: Wer produziert Blockraum, was kostet er, und wer bezahlt ihn? Hier ist eine einzige Kennzahl aufschlussreicher als alle anderen: Wie viel vom Sicherheitsbudget zahlen Nutzer — und wie viel druckt das Netz selbst?
Mining und Konsens (Bitcoin)
Die Produktionsseite von Bitcoin, die in Marktberichten fast nie vorkommt. Rechenzentren weltweit lösen ein Rätsel, das Blöcke ordnet; wer gewinnt, bekommt neue Coins plus die Gebühren der enthaltenen Transaktionen.
Die Rechenleistung lag am Stichtag bei 876 Exahash pro Sekunde (mempool.space). Die Miner nahmen in 30 Tagen 919 Millionen Dollar ein (blockchain.com) — annualisiert 11,18 Milliarden. Und jetzt die Zahl, um die es geht: Davon stammten 6,06 Millionen Dollar aus Transaktionsgebühren. 0,66 Prozent. Die anderen 99,34 Prozent sind neu ausgegebene Coins.
Das ist keine Kritik, das ist die Konstruktion: Bitcoin bezahlt seine Sicherheit vorerst mit Emission, und diese Emission halbiert sich turnusmäßig — das nächste Mal in rund 630 Tagen. Es ist zugleich der Maßstab, an dem man alle anderen Bereiche messen sollte. Denn dieselbe Frage — kommt das Geld von Nutzern oder aus der Notenpresse? — stellt sich unten bei DePIN, bei den KI-Netzen und bei den meisten Token dieser Karte. Bitcoins Sicherheitsbudget ist dabei allein 16-mal so groß wie die gesamten Gebühreneinnahmen der vier größten Smart-Contract-Ketten zusammen.
Zum Energieverbrauch: Der Cambridge-Index ist die übliche Quelle, war zum Stichtag aber nicht maschinell auslesbar. Ich trage hier keine Zahl aus dem Gedächtnis ein — das wird nachgezogen.
Layer-1-Plattformen: die Basisketten
Die Ketten, auf denen Programme laufen. Für einen Laien sind drei Eigenschaften relevant: wie viel sie kosten, wie viele unabhängige Rechner sie betreiben, und ob sie stillstehen können.
Nach Marktkapitalisierung: Ethereum 228,18 Milliarden, BNB 75,32, Solana 44,41, Tron 30,99 (XRP steht mit 69,15 Milliarden dazwischen; ich führe es hier nicht auf, weil es primär als Zahlungsnetz gebaut wurde — aber genau solche Abgrenzungen sind der Grund, warum Sektorzahlen wackeln).
Nach Gebühren, die Nutzer in 30 Tagen tatsächlich bezahlt haben (DefiLlama), sieht die Rangfolge anders aus: Tron 26,22 Millionen, Solana 14,77, BNB Chain 8,64, Ethereum 7,69 — Ethereum minus 29,4 Prozent gegenüber der Vorperiode. Bekannte Namen weiter unten kommen in denselben 30 Tagen auf Aptos 132.000, Sui 88.800, Avalanche 68.630 und Cardano 40.814 Dollar. Ein Netz mit Milliardenbewertung kann Einnahmen im niedrigen fünfstelligen Bereich haben. Das ist kein Widerspruch — es heißt nur, dass der Kurs etwas anderes bewertet als die laufende Nutzung.
Ethereum ist gerade sehr billig: Bei einem Tagesdurchschnitt von rund 0,5 Gwei kostete laut Ethereum-Stiftung eine Überweisung rund 0,025 Dollar, ein Token-Tausch 0,21 (Stand 05.05.2026). Gestakt sind 40,9 Millionen ETH (33,6 Prozent) über 886.508 Validatoren, bei rund 2,64 Prozent Rendite — die überwiegend aus Emission stammt, nicht aus Nutzergebühren.
Dezentralisierung lässt sich grob an der Zahl der Blockproduzenten ablesen, und die Spanne ist enorm: Cardano über 2.000 Stake-Pools, Solana 698, Avalanche 625, Sui 125, Aptos 94, BNB Chain 45 (davon 21 pro Runde) und Tron 27. Solana hatte im März 2023 noch 2.560 Validatoren — ein Rückgang um über 70 Prozent, während die Kette selbst deutlich zuverlässiger wurde: Seit Februar 2024 ist kein offizieller Ausfall mehr verzeichnet. Umgekehrt stand Sui am 28. Mai 2026 knapp sechs Stunden still und wurde binnen 48 Stunden dreimal angehalten, wegen eines Fehlers in der Gebührenabrechnung einer neuen Version. Neue Ketten sind schneller und fragiler; das ist eine Abwägung, keine Schande — man sollte sie nur kennen.
Zwei Dinge, die man hier lernen kann und überall wieder braucht:
Der Abstand zwischen Marktkapitalisierung und FDV. Die Marktkapitalisierung rechnet mit den umlaufenden Token, die vollständig verwässerte Bewertung (FDV) mit allen, die es je geben wird. Bei Hyperliquid stehen 13,24 Milliarden gegen 59,52 Milliarden — Faktor 4,5. Die Differenz ist künftiges Angebot, das heute noch niemand hält. Bei Ethereum, BNB und Tron ist diese Lücke praktisch null.
Und der Testfall der ganzen Karte: Hyperliquid. Dasselbe Projekt erscheint in den Statistiken als Layer 1 (13,24 Milliarden Marktkapitalisierung), als Handelsplatz für Terminkontrakte, als Eintrag in der Rollup-Datenbank und als FDV-Beispiel — mit vier verschiedenen Größen. Nichts davon ist falsch. Es zeigt nur, dass die Kategorie am Betrachter klebt, nicht am Ding. Wenn du also liest, ein Sektor sei „X Milliarden groß”, ist die erste Rückfrage immer: gemessen woran, und wer steckt gleichzeitig in welcher anderen Schublade?
Layer 2: Skalierung durch Auslagern
Rollups bündeln viele Transaktionen und schreiben nur das Ergebnis auf Ethereum. Für Nutzer heißt das: fast dieselbe Sicherheit, ein Bruchteil der Kosten. Die Mediankosten am Stichtag: 0,0014 Dollar auf Base, 0,0048 auf Arbitrum — gegen 0,1026 Dollar auf Ethereum selbst.
Der gesicherte Wert über alle Rollups lag bei 34,25 Milliarden Dollar (L2BEAT) — vor einem Jahr 55,49, im Hoch 66,28 Milliarden (Dezember 2024). Base (11,68) und Arbitrum (10,54) halten zusammen rund 65 Prozent.
Die Ökonomie dieser Ebene ist der eigentliche Befund. In den 30 Tagen bis 22. Juli 2026 nahmen alle erfassten Rollups zusammen 8,41 Millionen Dollar an Nutzergebühren ein — und zahlten dafür 40.670 Dollar an Ethereum, davon 2.315 Dollar für Blob-Speicherplatz. Ein halbes Prozent. Seit dem Upgrade, das Blobs eingeführt hat, ist Datenspeicher auf Ethereum so billig, dass er als Einnahmequelle praktisch verschwunden ist: Im Dezember 2024 nahm Ethereum daraus noch 4,07 Millionen Dollar im Monat ein, jetzt sind es 2.138 Dollar bei 885.544 Blobs. Das Skalierungsproblem ist gelöst worden, indem der Preis des knappen Guts auf nahe null fiel — mit allen Folgen für die Frage, wer die Basiskette künftig bezahlt.
Wie dezentral ist das? L2BEAT stuft 109 Projekte ein: 79 stehen auf Stufe 0 (Betreiber kann faktisch durchgreifen), sechs auf Stufe 1, vier auf Stufe 2 — und diese vier wirklich vertrauensminimierten Rollups sichern zusammen rund 509.000 Dollar. Bei Base, Arbitrum, Starknet, Linea, Scroll und ZKsync Era ist das „Exit Window” mit „None” angegeben: Bei einem Upgrade bleibt kein garantiertes Zeitfenster zum Aussteigen.
Was das praktisch bedeutet, führte der 21. April 2026 vor: Der Sicherheitsrat von Arbitrum änderte mit 9 von 12 Signaturen und ohne Abstimmung der Token-Halter einen Kernvertrag, um 30.765,67 ETH aus einem laufenden Angriff umzuleiten. Das war in der Sache eine Rettung — und zugleich der Beweis, dass die Notbremse existiert und benutzbar ist. Beides gehört auf die Karte.
Ausfälle sind hier Alltag, nicht Ausnahme: Base stand am 25. Juni 2026 knapp zwei Stunden, Starknet am 5. Januar 2026 viereinhalb Stunden (und verwarf dabei 18 Minuten Historie), Linea verzeichnete allein 2026 achtzehn Vorfälle. Zwei Netze wurden abgewickelt: Polygon zkEVM stellte am 1. Juli 2026 die Sequenzierung ein, Zero Network kündigte nach rund 18 Monaten die Abwicklung an.
Prüffragen: Auf welcher Stufe steht das Rollup bei L2BEAT? Gibt es ein Exit Window? Wer kann Verträge ändern, mit wie vielen Unterschriften? Und wie viel zahlt das Netz an die Kette, deren Sicherheit es beansprucht?
DePIN: Infrastruktur aus fremden Wohnzimmern
Menschen betreiben zu Hause Hardware — Funkantennen, Dashcams, Wetterstationen, Speicher — und werden dafür in Token bezahlt. Der Reiz: Nicht Geld ist das Produkt, sondern Infrastruktur.
Der Realitätstest ist hier besonders klar, weil man den Umsatz messen kann. Messari beziffert den gesamten On-Chain-Umsatz aller DePIN-Netze für 2025 auf rund 72 Millionen Dollar — bei einer Marktkapitalisierung des Sektors um zehn Milliarden. Der Rest der Zahlungen an die Betreiber kommt aus Token-Emission.
Helium zeigt die Ökonomie in einem Satz: Das Netz senkte die Vergütung von 0,50 auf rund 0,10 Dollar pro Gigabyte, während der Datenverkehr der angeschlossenen Mobilfunkanbieter von 24.000 (Juni 2025) auf rund 97.000 Gigabyte pro Tag stieg (April 2026). Mehr echte Nutzung, weniger Auszahlung pro Einheit — das ist der Moment, in dem ein subventioniertes Netz anfängt, ein Geschäft zu werden, und zugleich der Moment, in dem die Rendite der Geräte verschwindet. Der Token liegt 99,6 Prozent unter seinem Höchststand von 2021. Eine Governance-Entscheidung schaffte 2025 den Nachweis der Funkabdeckung als Belohnungsgrundlage ab.
Ähnliches Bild bei Speicher: Filecoin hat 651 Pebibyte gespeicherte Daten bei rund 2 Exbibyte Rohkapazität — also rund ein Drittel Auslastung; das jüngere Walrus kam nach einem Jahr auf 467 Terabyte, davon ein einzelner Kunde mit 250. Bei Hivemapper/Bee Maps stehen 32 Millionen Dollar Wagniskapital und eine Kundenliste mit HERE, TomTom und Lyft (Eigenangaben des Unternehmens) gegen einen Token, der 99,8 Prozent unter dem Hoch liegt.
Prüffragen: Wie viel Umsatz kommt von zahlenden Abnehmern — in Dollar, nicht in Token? Wie viel Emission fließt gleichzeitig raus? Rechnet sich das Gerät noch, wenn die Belohnung halbiert wird? Und: Ist das Gerät ein Investitionsgut oder ein Wettschein auf einen Kurs?
KI und Krypto
Der Bereich mit dem größten Abstand zwischen Erzählung und Beleg. Er hat drei Zweige, die man auseinanderhalten muss.
Dezentrale Rechenleistung. Netze, die GPU-Kapazität vermitteln. Die Zahlen sind klein: Akash hatte am Stichtag 263 GPUs im Netz, 124 davon vermietet; der Lease-Umsatz lag im ersten Quartal 2026 bei 253.250 Dollar (minus 45 Prozent), der kumulierte Umsatz seit Netzstart bei 5,67 Millionen. io.net bewirbt 327.000 GPUs, verifiziert täglich aber rund 6.720 — etwa zwei Prozent —, bei einem hochgerechneten Jahresumsatz um 12,5 Millionen Dollar. Aethir weist für 2025 selbst 127,8 Millionen Dollar Umsatz aus; die eigenen Angaben zum wiederkehrenden Umsatz widersprechen sich zwischen 147 und 166 Millionen.
Der Preisvorteil, das Kernargument der Kategorie, ist zusammengeschmolzen: Eine H100-Stunde kostete am Stichtag bei kommerziellen Anbietern 1,89 bis 1,99 Dollar; Akash bewirbt rund 1,32. Zum Maßstab: Die großen Cloud-Anbieter investieren 2026 zwischen 660 und 725 Milliarden Dollar in Rechenzentren.
Anreiznetze für Modelle. Bittensor bezahlt Beiträge mit Emission — nach dem Halving im Dezember 2025 rund 3.600 TAO pro Tag, das sind grob 254 Millionen Dollar im Jahr. Das größte Teilnetz erhält davon rund 36,5 Millionen Dollar jährlich und steht dem 1,3 bis 2,4 Millionen Dollar Kundenumsatz gegenüber. Rechnerisch heißt das: Der Dienst wird zu über 90 Prozent aus der Ausgabe neuer Token bezahlt.
Zahlungen zwischen Maschinen. Der interessanteste Zweig, weil hier ein echtes Problem existiert: Software-Agenten haben keine Kreditkarte. Der offene Standard x402 kam in 30 Tagen bis Mitte Juli 2026 auf rund 75 Millionen Transaktionen und 24 Millionen Dollar Volumen bei 94.000 Käufern. Vorsicht bleibt angebracht: Im März stufte der Analysedienst Artemis rund die Hälfte des damaligen Volumens als künstlich ein — die Struktur hat sich seither in Richtung echter Zahlungen verschoben.
Und zur Erinnerung an den Anfang: Die Kategorie „AI” bei CoinGecko umfasst 21,97 Milliarden Dollar, angeführt von zwei Projekten, deren Geschäft nichts mit KI zu tun hat. Herkunftsnachweise für Medien, oft als Krypto-Anwendungsfall verkauft, laufen in der Praxis über den Industriestandard C2PA — ausdrücklich ohne Blockchain, mit signierten Metadaten.
Prüffragen: Wie viel zahlender Umsatz steht der Token-Emission gegenüber? Ist der beworbene Bestand verifiziert oder nur registriert? Wäre der Dienst ohne Subvention billiger als ein normaler Anbieter? Und braucht die Anwendung überhaupt eine Blockchain?
Ebene 3: Anwendungen
Leitfrage: Was tut ein Nutzer damit, und was zahlt er dafür? Die Kennzahl dieser Ebene sind von Nutzern gezahlte Gebühren — nicht der gesperrte Wert, nicht das Volumen.
DeFi: Handel, Kredit, Zinsen ohne Bank
Programme statt Institutionen: tauschen, verleihen, hinterlegen. Der gesperrte Wert lag am Stichtag bei 76,5 Milliarden Dollar — nach 171,0 Milliarden im Hoch am 7. Oktober 2025. Über die Hälfte davon (41,56 Milliarden) liegt auf Ethereum.
Wichtig gegen das schnelle Urteil: Der Rückgang ist überwiegend ein Preiseffekt, kein Kapitalabfluss. Lido hielt am Stichtag mehr Ether als am Dollar-Höchststand im August 2025 — dieselbe Menge, halber Kurs. Wer TVL-Charts als Vertrauensmesser liest, misst in Wahrheit den Kurs.
Was tatsächlich passiert:
Handel. Dezentrale Börsen setzten 6,53 Milliarden Dollar in 24 Stunden um, 4,17 Billionen in zwölf Monaten. Ihr Anteil am Spothandel gegenüber zentralen Börsen lag im Juni 2026 bei 13,65 Prozent (Hoch: 21,75 Prozent im Juni 2025). Bei Terminkontrakten wächst der dezentrale Anteil dagegen strukturell: am offenen Interesse von 3,1 Prozent (Anfang 2024) auf 12,0 Prozent (Ende Januar 2026); rund 88 bis 90 Prozent laufen weiter über zentrale Börsen.
Kredit. Aave V3 kommt auf 13,81 Milliarden Dollar gesperrten Wert bei 10,78 Milliarden ausstehenden Krediten, Morpho Blue auf 7,49 Milliarden. Alles besichert: Man hinterlegt mehr, als man leiht. Unbesichertes Kreditgeschäft funktioniert on-chain bislang nicht — bei Goldfinch sind 56 Millionen Dollar ausgereichter Kredite gebunden, von denen nach sechs Jahren rund 30 Prozent zurückgeflossen sind.
Zinsen. Und hier kommt die nützlichste Zahl des ganzen Beitrags: Gestaktes Ether warf am Stichtag 2,16 Prozent ab, das große dezentrale Sparprodukt von Sky 3,52 Prozent auf 4,70 Milliarden Dollar Einlagen. Das ist der Marktzins des Sektors. Wenn dir irgendwo zweistellige Renditen auf Stablecoins angeboten werden, kommt die Differenz aus einem Risiko, das jemand trägt — oder aus Token-Emission. Nebenbei: Diese 4,70 Milliarden Dollar verteilen sich auf 5.893 Einzahler.
Wer verdient? In zwölf Monaten flossen 24,61 Milliarden Dollar an Gebühren durch alle erfassten Protokolle; davon gingen 2,10 Milliarden an Token-Halter. In vielen großen Protokollen ist dieser Anteil schlicht null: Morpho Blue nahm in 30 Tagen 26,59 Millionen Dollar ein und schüttete nichts aus, Uniswap V4 35,29 Millionen und ebenfalls nichts. Ein Governance-Token ist meistens kein Anspruch auf Erträge.
Wie es scheitert. 2026 bis zum Stichtag: 1,045 Milliarden Dollar Schaden in 145 Vorfällen. Der Median liegt bei 219.000 Dollar, der Mittelwert bei 4,7 Millionen — einige wenige Großfälle prägen die Statistik. Der wichtigste Befund von TRM Labs für das erste Halbjahr 2026: 76 Prozent der Schadenssumme entstanden durch kompromittierte Schlüssel und Infrastruktur, nicht durch fehlerhafte Verträge. Der schwächste Punkt ist selten die Mathematik, meistens die Schlüsselverwaltung. Dazu kommt das leise Sterben: ZeroLend kündigte im Februar 2026 die Abwicklung an, mit 6,6 Millionen Dollar nach einem Höchststand von 359 Millionen; SummerFi im Juli 2026 nach sieben Jahren.
Prognosemärkte
Der schnellstwachsende Anwendungsfall der Karte, und die spannendste offene Rechtsfrage. Man handelt Kontrakte, die bei Eintritt eines Ereignisses einen festen Betrag zahlen — Wahlen, Zinsentscheidungen, Sportergebnisse. Der Preis liest sich als Wahrscheinlichkeit.
Die Größenordnung: Kalshi setzte in 30 Tagen 12,34 Milliarden Dollar um (52,21 Milliarden in zwölf Monaten), Polymarket 4,31 Milliarden. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Sektor um 48,7 Prozent auf 113,8 Milliarden Dollar Nominalvolumen. Damit ist dieser eine Bereich um Größenordnungen umsatzstärker als das gesamte Gebührenaufkommen aller Rollups.
Und er ist juristisch umkämpft, in Echtzeit: Michigan untersagte Kalshi Ende Juni 2026 Sportkontrakte, die US-Terminaufsicht CFTC untersagte Mitte Juli 2026 ihrerseits, dieser Anordnung Folge zu leisten — der Zuständigkeitsstreit zwischen Bundes- und Landesebene ist anhängig. In Frankreich ordnete die Glücksspielaufsicht im Juli 2026 die Sperrung von Polymarket durch Internetanbieter an, Tschechien setzte den Dienst auf eine schwarze Liste. Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA stellte im Juli 2026 klar, dass Event-Kontrakte mit binärer Struktur als Finanzinstrumente einzustufen sein können — dann gelten Prospekt-, Zulassungs- und Anlegerschutzregeln.
Technisch und ökonomisch gibt es ebenfalls Warnschilder: Eine Studie von Stanford und SMU zeigte, dass Fünf-Minuten-Kontrakte auf den Bitcoin-Kurs Manipulationsanreize setzen — bei Fünfzehn-Minuten-Kontrakten verschwand der Effekt. Und im Juni 2026 wurde die Weboberfläche von Polymarket über eine kompromittierte Fremdbibliothek angegriffen; elf Wallets verloren 2,94 Millionen Dollar, der Betreiber sagte volle Erstattung zu.
Ein hübsches Detail für die Messkunde: DefiLlama zählt Prognosemärkte inzwischen in die DEX-Kategorie. Kalshi und Polymarket machen dort zusammen rund acht Prozent des Volumens aus — wer „DEX-Volumen” zitiert, zitiert seit einiger Zeit auch Wetten auf Fußballspiele.
Spiele, NFTs und Sammelgüter
Der Bereich mit dem tiefsten Fall — und einer Wiederauferstehung, die kaum jemand erwartet hat.
Spiele: Die Handelsfirma Caladan untersuchte über 3.200 Web3-Spieleprojekte und stufte über 90 Prozent als „effektiv tot” ein; mehr als 300 Titel wurden eingestellt. Die Finanzierung von Studios brach um 93 Prozent ein, der Anteil von Gaming am Krypto-Wagniskapital fiel von 62,5 Prozent (2022) in den einstelligen Bereich. Die Token der bekanntesten Namen stehen 98 bis 99,8 Prozent unter ihren Hochs. Was von „Play to Earn” übrig blieb, steht in „Krypto, angewandt”.
NFTs: Hier ist die Nuance wichtiger als das Urteil. Der Markt ist nicht tot, er hat sich banalisiert. Im Oktober 2025 wurden mehr NFTs verkauft als in jedem anderen Monat des Jahres — zu einem Durchschnittspreis von 54 Dollar, einem Sechstel des Januarwerts. Die volumenstärkste Kollektion der Woche vor dem Stichtag war nicht CryptoPunks (rund 991.000 Dollar), sondern Courtyard mit 8,72 Millionen Dollar über 182.492 Transaktionen: tokenisierte, physisch eingelagerte Sammelkarten. Der Bereich lebt als Logistik für Sammler, nicht als Kunstmarkt.
Zwei strukturelle Befunde, die man kennen sollte, bevor man irgendetwas davon kauft: Eine Messstudie an 12.353 Ethereum-Verträgen mit über 6,2 Millionen Token fand, dass bei 25,24 Prozent der Verträge die hinterlegten Dateien nicht erreichbar waren. Der Token liegt auf der Blockchain, das Bild auf einem Webserver — im April 2025 verschwanden knapp 20.000 Bilder einer bekannten Nike-Kollektion, weil ein Hosting-Vertrag herabgestuft wurde (dazu ist in den USA eine Sammelklage anhängig; die Vorwürfe sind bislang nicht gerichtlich entschieden). Und zu Airdrops, dem beliebtesten Anwerbeinstrument des Sektors: Laut DappRadar lagen 88 Prozent der verteilten Token binnen drei Monaten unter dem Startpreis.
Meme-Coins und Social
Der ehrlichste Bereich der Karte, weil er nie behauptet hat, etwas zu produzieren. Die Meme-Kategorie kommt auf 25,57 Milliarden Dollar — 1,1 Prozent des Gesamtmarktes und rund 54 Prozent unter dem Vorjahr; allein Dogecoin macht 42 Prozent davon aus.
Wo hier Geld verdient wird, ist präzise messbar: Die Startrampe pump.fun hat seit ihrem Start 92,74 Milliarden Dollar Handelsvolumen vermittelt und daraus 1,147 Milliarden Dollar Gebühren eingenommen, bei 0,95 Prozent je Handel. In den letzten 30 Tagen waren es 24,91 Millionen — gegenüber dem ersten Quartal 2026 ein Rückgang um rund 31 Prozent. Die Infrastruktur verdient zuverlässig; die Token darauf erwirtschaften nichts. Jede Auszahlung an einen Verkäufer ist die Einzahlung eines späteren Käufers. Das ist keine Wertung, das ist die Mechanik — ausführlich, mit Risiken und Rechtslage, in „Meme-Coins — die ehrliche Landkarte”.
Bei den sozialen Anwendungen ist der Größenunterschied zur Aufmerksamkeit bemerkenswert: Das Farcaster-Protokoll nahm in 30 Tagen 60.037 Dollar an Gebühren ein.
Privatsphäre
Werkzeuge, die verbergen, wer wem wie viel zahlt — auf einer Technologie, deren Grundzustand vollständige Öffentlichkeit ist. Monero (6,58 Milliarden Dollar) verbirgt Sender, Empfänger und Betrag standardmäßig; Zcash (8,64 Milliarden) macht es optional — 26,03 Prozent des Umlaufs liegen tatsächlich im geschützten Bereich.
Wie hart die Kryptografie hier ist, zeigte der Juni 2026: In Zcash wurde eine Lücke offengelegt, die seit Mai 2022 aktiv war und theoretisch unbemerkte Inflation erlaubt hätte; entdeckt wurde sie von einem beauftragten Prüfer, behoben binnen Tagen — der Kurs fiel in 24 Stunden um 38 Prozent. Vier Jahre unentdeckt, in einem der meistgeprüften Protokolle des Feldes.
Rechtlich ist das der heikelste Bereich, und für EU-Leser steht hier die praktisch wichtigste Zeile der ganzen Karte: Die EU-Geldwäscheverordnung verbietet ab dem 10. Juli 2027 anonyme Krypto-Konten und den Umgang mit „anonymitätsfördernden Coins” durch verpflichtete Unternehmen — Börsen, Verwahrer, Banken. Erfasst sind ausdrücklich auch Coins, die Anonymität nur optional bieten. Das Verbot richtet sich an die Unternehmen, nicht an den Besitz; Hersteller von Hardware, Software und selbstverwahrten Wallets sind ausgenommen, solange sie keinen Zugriff haben. Praktisch heißt das: Wer solche Coins hält, sollte wissen, über welchen lizenzierten Weg er sie später wieder in Euro tauschen will.
In den USA verlief die Entwicklung gegenläufig: Die Sanktionen gegen Tornado Cash wurden im März 2025 nach einem Gerichtsurteil aufgehoben. Die Strafverfahren gegen einzelne Entwickler laufen weiter oder sind entschieden — beim Tornado-Cash-Entwickler Roman Storm erging im August 2025 ein Schuldspruch in einem Anklagepunkt, während die Jury bei zwei weiteren uneins blieb; das Verfahren ist nicht abgeschlossen, es gilt die Unschuldsvermutung, soweit nicht rechtskräftig entschieden. Die Gründer des Dienstes Samourai wurden im November 2025 zu fünf beziehungsweise vier Jahren Haft verurteilt.
Wie groß ist das Problem, das reguliert wird? Chainalysis beziffert die illegalen Zuflüsse für 2025 auf mindestens 154 Milliarden Dollar — unter einem Prozent des zugeordneten Volumens, zu 84 Prozent in Stablecoins, nicht in Privacy-Coins. Diese Zahlen stammen von kommerziellen Überwachungsanbietern, die ein Geschäftsinteresse an hohen Zahlen haben; ich zitiere sie, weil es die besten verfügbaren sind, nicht weil sie neutral wären.
Ebene 4: Zugang, Verwahrung und Klebstoff
Leitfrage: Was verbindet die Teile — und wer hält den Schlüssel? Die unsichtbare Ebene, auf der die größten Summen und die größten Schäden liegen.
Börsen und Verwahrer
Der Ort, an dem der Markt tatsächlich stattfindet. 78 zentrale Börsen halten 245,05 Milliarden Dollar an nachverfolgbaren Reserven, Binance allein 138,11 Milliarden — das ist mehr als das Dreifache des gesamten DeFi-Marktes, über den ungleich mehr geschrieben wird. Eine einzige Börse drehte am Stichtag in 24 Stunden rund 6,71 Milliarden Dollar; alle dezentralen Börsen zusammen kamen am selben Tag auf 6,53 Milliarden.
Hier liegt auch das einzige testierte Zahlenwerk der Karte: Coinbase weist in Pflichtangaben gegenüber der SEC für das Geschäftsjahr 2025 7,18 Milliarden Dollar Umsatz aus, nach 6,56 Milliarden 2024 — bei einem Rückgang von 30,5 Prozent im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal. Ein einzelnes reguliertes Unternehmen erlöst damit rund 29 Prozent dessen, was sämtliche Protokolle dieser Karte in zwölf Monaten an Gebühren einnehmen.
Zum Ort, an dem all das sitzt: Die größten Handelsplätze firmieren auf den Kaimaninseln, den Seychellen, in Panama und auf den Britischen Jungferninseln. Für jeden, der über MiCAR und Anlegerschutz nachdenkt, ist das der relevanteste Satz des Abschnitts — die Regeln gelten dort, wo der Anbieter zugelassen ist, nicht dort, wo die App installiert wird.
Orakel: Daten von außen
Eine Blockchain weiß nichts über die Welt. Orakel liefern Preise, Zinssätze, Ereignisse — und sind damit der Punkt, an dem sich Angriffe konzentrieren.
Der Markt ist extrem konzentriert: Chainlink sichert 40,03 Milliarden Dollar über 541 Protokolle; 64,4 Prozent des orakelabhängigen Kapitals hängen an genau einem Anbieter ohne Rückfallebene. Seit 2020 verzeichnet die Schadensdatenbank 69 orakelbezogene Vorfälle mit zusammen 734,8 Millionen Dollar.
Und dann die Ökonomie, die dieses Kapitel für die ganze Karte repräsentativ macht: Chainlink nahm in zwölf Monaten 3,85 Millionen Dollar an Gebühren ein — die vollständig an die Betreiber der Knoten gehen. Der Token hat eine Marktkapitalisierung von 6,34 Milliarden. The Graph, der Indexdienst hinter unzähligen Anwendungen, kam bei über einer Billion beantworteter Abfragen auf 610.732 Dollar Abfragegebühren im Jahr. Diese Dienste sind unverzichtbar und praktisch unbezahlt.
Brücken und Wechselwege
Ketten sprechen nicht miteinander; Brücken übersetzen.
Symbolbild, KI-generiert.
Sie sind die gefährlichste Einzelkomponente des ganzen Systems: 57 Brücken-Hacks verursachten 3,29 Milliarden Dollar Schaden — 19,6 Prozent aller je erfassten Krypto-Schäden, bei einem Bruchteil des Kapitals. Die Liste liest sich wie ein Who’s who: Ronin 624 Millionen (März 2022, vom FBI der Lazarus-Gruppe zugeschrieben), Poly Network 611, BNB 570, Wormhole 326.
Der jüngste Großfall zeigt das Muster: Am 18. April 2026 wurden über eine Brücken-Konfiguration 116.500 rsETH (rund 293 Millionen Dollar) ungedeckt freigegeben, weil die Nachrichtenprüfung von einer einzigen Instanz vorgenommen wurde — betrieben vom Brückenanbieter selbst, der den Fehler im Mai öffentlich einräumte und die Voreinstellung änderte. Bei Aave entstand daraus eine uneinbringliche Forderung von 123,7 Millionen Dollar; ein Rettungspaket der Gemeinschaft hatte Ende April rund 54 Prozent der fehlenden Menge wieder beschafft. Im laufenden Jahr 2026 gab es bis zum Stichtag 27 Brücken-Vorfälle mit zusammen 399,6 Millionen Dollar — mehr Einzelfälle als in jedem Vorjahr, bei kleineren Summen.
Die Ökonomie ist auch hier bemerkenswert: Die großen Nachrichtenprotokolle nehmen null Prozent Provision — LayerZero, Wormhole, Across und Axelar weisen jeweils keinen Protokollumsatz aus.
Identität und Namen
Der Bereich, der zehn Jahre lang als „nächste große Sache” gehandelt wurde. Worldcoin steht 96,8 Prozent unter seinem Höchststand; der Namensdienst ENS nahm in 30 Tagen 214.788 Dollar ein. Ich führe ihn auf, weil er auf jeder Karte steht — und weil die Zahlen zeigen, wie weit Erzählung und Nutzung auseinanderliegen können.
Quer durch alle Ebenen: Recht, Steuer, Messung
Zwei Themen gehören in jede Zeile dieser Karte, nicht in ein eigenes Kapitel.
Recht. In der EU regelt MiCAR seit Ende 2024 die Anbieter; die letzte Übergangsfrist lief am 1. Juli 2026 aus. Ab Juli 2027 kommt die Geldwäscheverordnung mit dem Verbot anonymer Konten. Und für deutschsprachige Leser die Regel, die seit dem 1. Januar 2026 gilt und kaum jemand kennt: Nach der EU-Richtlinie DAC8 melden Krypto-Dienstleister Identifikationsdaten, Transaktionszahlen und Bruttobeträge je Krypto-Wert an die Finanzverwaltung — automatisch, für das laufende Kalenderjahr. Die steuerliche Behandlung in Deutschland (Stichwort § 23 EStG, Bezahlen ist ein Veräußerungsgeschäft) steht in „Krypto, angewandt”. Keine Steuerberatung, nur der Hinweis, dass die Meldung längst läuft.
Messung. Fünf Fallen, die in diesem Beitrag alle vorgekommen sind — und die dir jeden zitierten Sektorwert erklären:
- Kategorien überlappen. 8,42 Billionen Kategoriensumme bei 2,30 Billionen Marktgröße.
- Dieselbe Sache, zwei Definitionen. Base wird mit 11,68 Milliarden (gesicherter Wert) und mit 4,59 Milliarden (in Anwendungen gesperrt) angegeben, Arbitrum mit 10,54 und 1,24. Beide Zahlen sind korrekt — sie messen verschiedene Dinge. Fragt man nicht nach, hält man eine für falsch.
- Emission ist kein Umsatz. Bitcoin: 0,66 Prozent der Miner-Einnahmen kommen von Nutzern. DePIN: 72 Millionen Umsatz im Jahr. Rollups: Sie zahlen ein halbes Prozent ihrer Einnahmen an die Kette weiter, die sie sichert.
- FDV ist nicht Marktkapitalisierung. Faktor 4,5 bei Hyperliquid, 2,5 bei Sui.
- Volumen ist teilweise erfunden. Eine wissenschaftliche Untersuchung von 29 Börsen fand erhebliche fabrizierte Volumina auf unregulierten Handelsplätzen. Und selbst seriöse Aggregatoren weichen bei derselben Kennzahl am selben Tag um 17 Prozent voneinander ab.
Ein letzter, unbequemer Punkt zur Datenlage: Die Karte hängt an Anbietern, die vom Vermessen dieses Marktes leben. Chainalysis, TRM, Messari, DefiLlama, L2BEAT, rwa.xyz — sie liefern die Zahlen, die dieser Beitrag zitiert, und sie verkaufen Software an Behörden und Investoren. Manche Daten verschwinden auch einfach: Ein Teil der DefiLlama-Schnittstellen antwortet inzwischen nur noch gegen Bezahlung, und drei einst zentrale Datenquellen der Branche sind heute eine geparkte Domain, ein toter DNS-Eintrag und eine Weiterleitung.
Was die Karte zusammen sagt
Zwei Aussagen tragen alle Ebenen — und beide stehen in keinem einzelnen Kapitel.
Erstens: Der Markt verdient sein Geld nicht dort, wo er erzählt wird. Von 24,61 Milliarden Dollar Protokollgebühren in zwölf Monaten entfallen rund 34 Prozent auf zwei Stablecoin-Emittenten, die Zinsen auf Staatsanleihen vereinnahmen. Daneben: Bitcoin-Mining mit 11,18 Milliarden im Jahr, eine einzelne regulierte Börse mit 7,18 Milliarden. Und dagegen die Zahlen der Bereiche, über die am meisten geschrieben wird — Chainlink 3,85 Millionen im Jahr, The Graph 610.732 Dollar, das Farcaster-Protokoll 60.037 Dollar in 30 Tagen. Die Erträge kommen aus Zinsen, aus Emission und aus Handelsgebühren an zentralen Plätzen.
Zweitens: Konzentration ist die Regel, nicht die Ausnahme. Zwei Emittenten stellen 82,9 Prozent aller Stablecoins. Zwei Rollups halten 65 Prozent des gesicherten Werts. Ein Orakel sichert 64 Prozent des abhängigen Kapitals. Eine Börse hält 56 Prozent der Reserven. Ein Unternehmen hält 4,0 Prozent aller Bitcoin, ein anderes 4,8 Prozent aller Ether. Neun Bereiche, neun unabhängige Belege, ein Muster. Wer „dezentral” hört, sollte fragen: an wie vielen Stellen genau?
Und was sich nicht belegen lässt, obwohl es ständig behauptet wird:
„Die Adoption steigt.” Auf dieser Karte gibt es keine belastbare Nutzerzahl. Was es gibt, sind Halterzahlen: 113 Adressen für 2,52 Milliarden Dollar, 5.893 Einzahler für 4,70 Milliarden, 46 Wallets für 2,96 Milliarden. Wallets sind keine Menschen, und niemand veröffentlicht eine geprüfte Nutzerzahl.
„Krypto stirbt.” Ebenso wenig belegt. Prognosemärkte wuchsen im letzten Quartal um 48,7 Prozent, der dezentrale Anteil am Terminhandel steigt seit zwei Jahren, tokenisierte Staatsanleihen haben sich seit Anfang 2024 verfünfzehnfacht, und die NFT-Stückzahlen erreichten im Herbst 2025 Jahreshöchststände. Der Markt ist in Dollar kleiner geworden und in einigen Ecken erwachsener.
Was bleibt, ist eine Landschaft, in der ein paar unspektakuläre Bereiche echtes Geld verdienen, viele laute Bereiche von der eigenen Notenpresse leben, und die Grenze zwischen beidem in genau einer Kennzahl sichtbar wird: Kommt das Geld von jemandem, der etwas davon hat? Diese Frage stellt sich vor jedem Kauf, vor jedem Gerät, vor jedem Versprechen — und sie ist dieselbe Haltung, für die die Crypto Collection steht: nüchtern bleiben, wenn alle laut werden.
Wie es hier weitergeht
Zu den meisten Bereichen dieser Karte folgt ein eigener Beitrag — was drinsteckt, wie man es prüft, was schiefgehen kann. Bereits erschienen: Krypto, angewandt (was tatsächlich benutzt wird), Meme-Coins, Technische Analyse, Hebel, Bärenmärkte in Zahlen, eine eigene Bitcoin-Node und das Begriffe-Verzeichnis, das jeden Fachbegriff dieser Seite erklärt.
Diese Karte bleibt stehen und wird aktualisiert — die Zwischenüberschriften ändere ich nicht, damit Links darauf halten. Der Versionsverlauf am Ende zeigt, was sich geändert hat.
Quellen und Grenzen
Alle Zahlen tragen den Stichtag 23. Juli 2026, sofern nicht anders angegeben. Primärquellen, wo verfügbar: SEC-Pflichtangaben (Coinbase), Tether- und Circle-Quartalsberichte, BaFin-Kryptowertpapierliste, ESMA-Register und -Statements, EU-Rechtsakte (MiCAR, AMLR, DAC8, DLT-Pilotregime), OCC-Verordnungsentwurf, Ethereum-Stiftung, BIZ-Arbeitspapier 1270, NBER-Arbeitspapier 30783. Aggregatoren: DefiLlama, L2BEAT, rwa.xyz, CoinGecko, Messari, mempool.space, blockchain.com, Chainalysis, TRM Labs, Immunefi, DappRadar, growthepie. Firmen-Eigenangaben (Tether, Aethir, Bee Maps, io.net, Akash, Helium, Chainlink) sind im Text als solche gekennzeichnet — sie sind dokumentiert, aber nicht unabhängig geprüft.
Drei ehrliche Grenzen: Erstens ist der Energieverbrauch des Bitcoin-Netzes hier nicht beziffert, weil die Standardquelle zum Stichtag nicht auslesbar war. Zweitens sind Marktkapitalisierungen, TVL- und Volumenzahlen Momentaufnahmen von Anbietern mit unterschiedlichen Definitionen; wo sie voneinander abweichen, steht die Abweichung im Text. Drittens ist die Auswahl der Bereiche eine redaktionelle Entscheidung — eine andere Gliederung wäre vertretbar, und ich habe die Grenzfälle (Hyperliquid, Prognosemärkte, Stablecoins zwischen Geld und Anwendung) benannt statt versteckt.
Und noch einmal, weil es der Kern ist: Dass ein Bereich groß ist, heißt nicht, dass er gut ist. Dass er Geld verdient, heißt nicht, dass sein Token das tut. Diese Karte zeigt, wo man steht — nicht, wohin man gehen soll.
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